Gernot Lindner, (gestorben 30.06.2003)

 

Depression

 

Nach einem erschöpfenden Tag bleischweres Einschlafen, tief, traumlos, bis mich die körperliche Pein wieder weckt. Unerholt, mit kreisenden Gedanken und leergeweinter Seele.

 

Lektüre und Musik finden nicht den Weg in mein Inneres oder dröhnen unerträglich in der unermesslichen Leere. Wo ist der Reichtum meines Lebens geblieben? Verschwunden, nur verschüttet?

 

Dunkel erinnert sich eine Instanz im Inneren an Empfindungen wie Vorfreude, Lust und auch Wut. Alles weit weg, stunden- und tagelang November in mir, mit dem Wissen um Sonne und Sturm.

 

Dann ein Gespräch mit einem Menschen, der nicht „Kopf hoch“ oder „Da musst du durch“ sagt, sondern mich umarmt, mit seinen Worten oder ganz wirklich, hilf-los, ohne Ratschlag und doch so hilfreich.