Bewegung

 

Nicht recht erinnern kann ich mich, wann Heidi in den Verein kam. Gefühlt aber muss sie schon vom ersten Tag an dabei gewesen sein. Meist fühlte ich ebenso, dass ich von ihr etwas lernen kann. Und das hat nichts damit zu tun, dass sie Lehrerin im Ruhestand ist. Ihre Argumentation erzeugte bei mir immer zuerst die Frage, warum ich darauf nicht selbst gekommen bin und statt dessen viele Worte um unwichtigere Details verlor.

Ihre Geschichten sind oft voller Poesie, meist mit gezieltem Humor versehen, präzise und unterhaltsam aber nie zu seicht.

Wenn ich etwas von ihr lese, erfahre ich manchmal Dinge, die ich schon erahnte, aber nicht selbst darstellen konnte.

Sie bewegt sich in ihrem Geschriebenen ebenso in fremden Ländern wie vor ihrer Haustür in einem Chemnitzer Wohnviertel.

Von da kann sie sofort in die große oder kleine Politik springen, ich meine die, welche sich noch einige Gedanken um die Menschen macht.

Sie ist eine derjenigen, die mir heute noch regelmäßig schreiben.

Seit ich in Schweden lebe, sind mir die Kontakte zu den Mit-Autoren um so wichtiger geworden.

Hier in der fremden Sprachwelt, untergekommen in einer Kulturlandschaft, welche aber die nichtlandschaftlichen Kulturaspekte etwas vermissen lässt, brauche ich die Erinnerung und die Gewissheit, dass man denkt und schreibt, dort in der Ferne.

Das weiß ich bei Heidi gut aufgehoben.

 

*2010

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