Zur See  

 

Viel weiß ich nicht von diesem Mann, denke ich manchmal.

Andererseits lese ich seine Texte nicht nur gern, sie bleiben mir im Gedächtnis.

Sie glühen nach, glimmen sacht in den Alltag und tauchen funkensprühend auf, als ob jemand in ihre Glut geblasen hätte.

Und dann erfahre ich doch viel mehr von ihm, als offensichtlich ist.

 

Die bedächtige und eindringliche Art, mit der er über Ausdrucksweise und Form von Literatur spricht, überzeugte manchen unserer Autoren, am eigenen Text noch mal gründlich nachzubessern.

 

Seine Liebe gehört dem Meer.

Ich als Landratte war schon immer skeptisch, wenn Menschen vom Besonderen der Seefahrt erzählten.

Von ihren Schiffen und den Inseln und den Häfen. Sie erwähnen nie die lange, lange Zeit, in der sie im Grunde nur Wasser sehen.

Ihm aber glaube ich seine Begeisterung.

Fast ist es, als würde ich ihn begleiten dürfen, wenn er in seinen Geschichten die Segel setzt.

Und oft wähne ich mich gar nicht auf dem Kahn oder an der Mole, sondern im ganz normalen Leben.

Die Färbung und die Stille, der Sturm, das Auf und Ab, aber auch den Geschmack von Salz und das Geräusch, dass die Planken des Weges machen, den ein Mensch beschreitet, überträgt er durch seine Texte in mich und sicher auch in andere Leser.

Eine seltene Gabe.

Ich würde gern mehr wissen von dem Mann.

Vielleicht führt ihn sein Boot einmal zu mir, obwohl ich nicht an seinem Meer wohne.

 

*2009

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