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Leseprobe Anthologie I

Thomas Trauf

Einer von fünf Millionen. 1997

Mein Schwanken zwischen Hoffnungslosigkeit und dem Bestreben legal Geld zu verdienen, nimmt durch die Hilfe des Arbeitsamtes allmählich skurille Formen an. Den Mitarbeitern dieses Amtes, die mit zahlenmäßig zunehmender Klientel und einem Wust an Bestimmungen und fortschrittsweisenden Änderungen zu kämpfen haben, ist vielleicht kein direkter Vorwurf zu machen. Seit dem letzten Vermittlungsangebot jedoch, werde ich von einer leichten Identitätskrise geschüttelt. Das Amt schrieb mir einen Brief mit dem Inhalt, ich solle mich umgehend beim Fotografen Pauler melden, der da eine Servicekraft sucht. Also rief ich Pauler an. Der suchte wohl, aber eine weibliche Angestellte, zumal von angenehmem Äußeren. Ich verstehe Pauler soweit, halte es auch für angemessen, daß mein Amt mich Äußerlich angenehm einschätzt, nur welchen Eindruck mag ich bei meiner Vermittlerin hinterlassen haben, daß sie mich für weiblich hält? Beim weiteren Bemühen, dem Kreise der fünf Millionen entkommen zu können, habe ich beschlossen mein Auftreten zumindest geschlechtlich festzulegen. Dabei erwischte ich mich letztens, als ich interessiert ein Schaufenster betrachtete. Besonders gefiel mir die Kombination aus lindgrünem Flanellrock und weißer Bluse...

tt.